Telefonische Datenerhebung

Die telefonische Datenerhebung, also die Erfassung von personenbezogenen Daten – bspw. von Patienten – im Rahmen von Telefonaten schafft datenschutzrechtlich besondere Herausforderungen. Denn die korrekte Umsetzung der Informationspflichten der DSGVO erscheint in Telefonaten als besonders schwierig: Auch hier ist eine vollständige Information gemäß Art. 13 DSGVO erforderlich. Nach dem Wortlaut der Vorschrift sind die Informationen grundsätzlich

“zum Zeitpunkt der Erhebung”

zu erteilen. Konkret würde dies bedeuten, dass jedem neuen Patienten direkt am Telefon sämtliche der in Art. 13 DSGVO aufgeführten Informationen erteilt werden müssen. Der Beitrag “Telefonieren unerwünscht” im Blog der DSN Holding GmbH zeigt sehr anschaulich, dass dies im Praxisalltag alles andere als praktikabel ist!

Offenbar sehen aber zumindest einzelne Aufsichtsbehörden den Zeitpunkt für die Erfüllung der Informationspflichten nicht so streng an den Wortlaut des Art. 13 DSGVO gebunden: So hat etwa das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein in einem Beitrag vom 25.05.2018 allgemein angemerkt, die Informationen müssten lediglich

im zeitlichen Zusammenhang mit der Erhebung der Daten zur Verfügung gestellt

werden. Dieses Verständnis eröffnet gerade für die telefonische Datenerhebung zeitliche Spielräume. So könnte die Informationsbereitstellung bspw. im Anschluss an das Telefonat via E-Mail oder bei einem anschließenden Besuch des Patienten in der Praxis erfolgen. Eine solche Handhabung wäre zudem sehr im Sinne der gesetzlichen Vorschrift selbst: Dieser besteht darin, die von einem Verarbeitungsvorgang betroffene Person über dessen Existenz und Zwecke zu unterrichten. Es liegt auf der Hand, dass die Aufnahmefähigkeit und -bereitschaft bei einer mündlichen Übermittlung der sehr umfangreichen Informationen im Rahmen eines Telefonats (bspw. zur Vereinbarung eines Termins für die Behandlung akuter Beschwerden) üblicherweise gering ist. Auch dem Informationsbedürfnis des Patienten ist daher eher Genüge getan, wenn er die Informationen im Anschluss an das Telefonat “schwarz auf weiß” erhält.

Zu bachten ist allerdings, dass die zitierte Äußerung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein und die dargestellten Zweckmäßigkeitserwägungen allein noch keine rechtssichere und abschließende Handlungsgrundlage für die telefonische Datenerhebung schaffen. Vor dem benannten Hintergrund ist es aus Sicht der SafetyDent-Experten derzeit sehr gut vertretbar, bei der Datenerfassung im Rahmen eines Telefonats die Informationen gem. Art. 13 DSGVO erst im Anschluss an dieses bereitzustellen. Die Entwicklungen in der Rechtsprechung und der Praxis der Aufsichtsbehörden sollten jedoch genau im Auge behalten werden, um eventuell notwendige Anpassungen kurzfristig vornehmen zu können. Die Experten von SafetyDent behalten auch diese Entwicklungen kontinuierlich im Auge und informieren über diesbezügliche Neuigkeiten.

By |2018-08-11T21:55:47+00:00August 3rd, 2018|Betroffenenrechte, Datenerhebung, Informationspflichten|